Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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ADOLF BLOMEYER (CDU)
im Parlamentarischen Rat
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Adolf Blomeyer
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Im Sommer 1948 wird Adolf Blomeyer vom Nordrhein-Westfälischen Landtag in den Parlamentarischen Rat gewählt, obwohl er nicht dem Landesparlament angehört. Mit seiner Wahl sollen zugleich der evangelische Parteiflügel, das Gebiet Ostwestfalen und die Landwirtschaft Berücksichtigung finden. Im Parlamentarischen Rat ist er ab Dezember 1948 Mitglied im Ausschuss für Wahlrechtsfragen und darüber hinaus Mitglied im Ausschuss für Zuständigkeitsabgrenzung. Er tritt nur in begrenztem Maße durch eigene Beiträge hervor. Dennoch hat er wesentlichen Anteil an der Kompetenzverteilung im Agrar- und Forstwesen, im Natur- und Landschaftsschutz sowie bezüglich des Bodenrechts. Er strebt unitarische Lösungen an. In Notzeiten soll ein gerechter Ernährungsausgleich über die Ländergrenzen hinweg gesichert werden. Die Bundeskompetenzen sind seiner Meinung nach zu stärken. Seine Aufmerksamkeit gilt ferner der sozialen Lage der Heimatvertriebenen. Um dem Auseinanderfallen der Deutschen in Ost und West zu begegnen, will er den Namen „Deutsches Reich“ beibehalten. Gemäß seiner konservativen Grundhaltung tritt er für eine nach berufsständischen Gesichtspunkten zusammengesetzte Zweite Kammer ein.

Geboren am 15. Januar 1900 in Haus Beck, später Löhne (Ostwestfalen), gestorben am 5. März 1969 in Bünde, evangelisch.

Adolf Blomeyer wächst auf dem familiären Rittergut Haus Beck auf. Nach zweijähriger Landwirtschaftslehre 1924 Übernahme der Leitung des Ritterguts. Bis 1930 Mitglied des Jungdeutschen Ordens, danach des Jungstahlhelms. Engagement innerhalb der Evangelischen Landeskirche und im kommunalen Bereich. Seit 1929 ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Ulenburg.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ einerseits 1933 – 1937 in der Reiter-SA, seit 1935 Orts- und Bezirksbauernführer, andererseits seit 1934 in der Bekennenden Kirche, seit 1942 Presbyter und Kirchenvorsteher seiner Gemeinde. 1942 wird Blomeyer seiner öffentlichen Ämter enthoben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Kreisbauernführer und stellvertretender Landrat. Seit 1947 Bürgermeister von Ulenburg. Zahlreiche Ehrenämter im landwirtschaftlichen Verbandswesen und im landeskirchlichen Bereich. Beitritt zur CDU. Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ausschusses der CDU-Westfalen und Mitglied des Landesvorstands. Teilnehmer am „Kronberger Kreis“, der den Adenauer-Kurs der Westintegration unterstützt.

Nachlass: Archiv für Christlich-Demokratische Politik, Sankt Augustin.